Fortuna

DREI PUNKTE, EINMAL DURCHATMEN

DREI PUNKTE, EINMAL DURCHATMEN
🔴⚪ DREI PUNKTE, EINMAL DURCHATMEN 🔴⚪

🔴⚪ DREI PUNKTE, EINMAL DURCHATMEN 🔴⚪
ABER IST DAS SCHON DIE WENDE?

FORTUNA SCHLÄGT STUTTGART II MIT 1:0 UND ZEIGT ENDLICH DAS, WAS ZULETZT SO SCHMERZLICH FEHLTE

Manchmal ist ein 1:0 mehr wert als ein rauschender Fußballabend. Nach dem 1:2 in Mannheim, dem erschreckenden 0:2 gegen Hoffenheim II und dem deutlichen Pokal-Aus gegen Freiburg brauchte Fortuna Düsseldorf gegen den VfB Stuttgart II vor allem eines: ein Ergebnis. Keine Schönheitspreise, keine taktischen Kunstwerke und auch keinen Beweis dafür, dass plötzlich alle Probleme dieser neu zusammengestellten Mannschaft verschwunden sind. Fortuna musste gewinnen – und genau das hat sie getan. Andreas Müller erzielte in der 59. Minute das Tor des Abends und bescherte Düsseldorf am dritten Spieltag die ersten drei Punkte der Saison. Viel wichtiger als die nackte Zahl auf der Anzeigetafel war allerdings die Art, wie sich Fortuna diesen Sieg erarbeitete. Zum ersten Mal in dieser Spielzeit stand dort über weite Strecken eine Mannschaft, die kompakt wirkte, miteinander verteidigte und nach Fehlern nicht sofort auseinanderfiel. Es war kein großer Fußballabend, aber vielleicht zum ersten Mal ein Abend, an dem Fortuna begann zu verstehen, was diese 3. Liga von ihr verlangt.

Alexander Ende veränderte seine Mannschaft gegenüber dem 1:5 im Pokal nur auf zwei Positionen. Elias Egouli rückte für den kurzfristig mit Oberschenkelproblemen ausgefallenen Dominique Heintz in die Innenverteidigung, Anas Slimani ersetzte den gesperrten Jorrit Hendrix. Bemerkenswert war zudem die Entscheidung im Tor: Nach seinen guten Szenen gegen Freiburg blieb Louis Lord zwischen den Pfosten, während Lasse Rieß erneut auf der Bank saß. Taktisch lief Fortuna in einer engen 4-3-1-2-Grundordnung auf. Zimmermann, Oberdorf, Egouli und Risch bildeten die Viererkette, davor arbeiteten Bouchama, Müller und Benger, während Slimani hinter dem Sturmduo Schleusener und Hottmann agierte. Gerade Slimanis Einsatz brachte jener Mannschaft etwas, was gegen Hoffenheim fast vollständig gefehlt hatte: Dynamik, Mut und die Bereitschaft, Situationen einfach einmal anzunehmen. Fortuna begann entsprechend engagiert. Bouchama setzte nach elf Minuten den ersten Abschluss ans Außennetz, wenig später zwang Hottmann VfB-Keeper Jerik von der Felsen zu einer Parade. Nach rund 20 Minuten wurde es richtig gefährlich, als Slimani mit einer Hereingabe für Chaos sorgte und Stuttgart nur mit Mühe ein kurioses Gegentor verhindern konnte. Das Entscheidende daran war weniger die Zahl der Möglichkeiten als die Haltung: Fortuna spielte nach vorne, suchte hohe Ballgewinne und zwang Stuttgart wesentlich häufiger zu Fehlern, als es gegen Hoffenheim noch gelungen war.

Allerdings wäre es falsch, aus dieser ersten Halbzeit plötzlich ein Offensivfeuerwerk zu machen. Genau dort liegt weiterhin eine der großen Baustellen. Fortuna gewann viele Bälle in interessanten Räumen, machte daraus aber viel zu wenig. Andreas Müller räumte später selbst ein, dass aus den zahlreichen hohen Ballgewinnen eigentlich mehr hätte entstehen müssen. Es fehlten weiterhin Präzision, klare Laufwege und jene Selbstverständlichkeit im letzten Drittel, die gute Mannschaften auszeichnet. Stuttgart war lange erstaunlich harmlos und half Fortuna mit vielen einfachen Fehlpässen. Die größte Möglichkeit der Gäste entstand kurz vor der Pause, als Julian Lüers im Düsseldorfer Strafraum ungewöhnlich viel Zeit bekam, daraus aber nichts machte. VfB-Trainer Nico Willig brachte die Schwächen seiner eigenen Mannschaft nach dem Spiel ziemlich treffend auf den Punkt: Es hätten Tempo, Dynamik, Spielwitz und der Zug zum Tor gefehlt. Für Fortuna war genau das ein Geschenk – aber diesmal nahm Düsseldorf dieses Geschenk wenigstens an.

wahrscheinlich sinnbildlich für diesen Abend stehen wird. Andreas Müller hatte sich wenige Minuten zuvor in einem Zweikampf an der Rippe verletzt, Gelb gesehen und offenbar sogar kurzzeitig darüber nachgedacht, ob es überhaupt weitergehen könne. Der Wechsel war bereits vorbereitet. Doch Müller blieb noch auf dem Platz – und traf. Nach einer Situation, die Stuttgart eigentlich schon bereinigt hatte, landete der Ball wieder bei Fortuna. Yassine Bouchama hatte entscheidenden Anteil daran, Müller nahm den Ball im Strafraum an, ließ seinen Gegenspieler mit einer Bewegung aussteigen und setzte den Nach der Pause änderte sich das Bild zunächst. Stuttgart wurde etwas aktiver und Fortuna verlor einen Teil des Drucks aus den ersten 45 Minuten. Man konnte regelrecht spüren, wie das 0:0 wieder schwerer auf den Schultern wurde. Genau solche Phasen waren zuletzt gefährlich gewesen. Gegen Hoffenheim hatte Verunsicherung schnell zu Fehlern und anschließend zu einem völligen Verlust der Ordnung geführt. Diesmal blieb Fortuna stabil. Dann kam jene Szene, die Abschluss ins kurze Eck. 1:0 in der 59. Minute. Vier Minuten später war sein Arbeitstag beendet. Manchmal schreibt Fußball Geschichten, die man nicht planen kann.

Was danach geschah, war für die weitere Entwicklung dieser Mannschaft fast genauso interessant wie das Tor selbst. Fortuna verfiel nicht in Panik und zog sich nicht vollständig zurück. Ende wechselte Förster für Müller und brachte später van der Sloot, Arden und Neuzugang Erik Wekesser, der damit zu seinem ersten Fortuna-Einsatz kam. Stuttgart versuchte zwar, mehr Offensivkraft auf den Platz zu bekommen, entwickelte aber kaum echten Druck. Jarzinho Malanga setzte einen Distanzschuss über das Tor, eine große Schlussoffensive blieb aus. Düsseldorf verteidigte den Vorsprung vergleichsweise souverän und brachte zum ersten Mal in dieser Saison eine Führung tatsächlich mit Ruhe über die Zeit. Das klingt nach einer Selbstverständlichkeit, ist für diese Mannschaft momentan aber von großer Bedeutung. Gegen Freiburg hatte Fortuna trotz einiger guter Phasen fünf Gegentore kassiert, gegen Hoffenheim II war die Ordnung nach Rückschlägen praktisch zusammengebrochen. Gegen Stuttgart blieb erstmals die Null stehen. Ende bezeichnete das anschließend als Grundlage für alles Weitere und sprach von „sauberer Arbeit“ statt Hochglanzfußball. Genau das trifft den Abend ziemlich gut.

Einige Personalien verdienen dabei besondere Aufmerksamkeit. Louis Lord bekam im Tor deutlich weniger zu tun als noch gegen Freiburg, aber manchmal besteht eine gute Torwartleistung eben auch darin, Ruhe auszustrahlen und das zu erledigen, was kommt. Die Entscheidung für ihn dürfte nach diesem Zu-null-Spiel kaum leichter zurückzudrehen sein. Elias Egouli sprang kurzfristig für Heintz ein und war Teil einer Abwehr, die Stuttgart kaum klare Abschlüsse erlaubte. Vor allem aber nutzte Anas Slimani seine Chance. Er spielte mutig, suchte Eins-gegen-eins-Situationen und brachte Tempo in ein zuletzt oft statisches Düsseldorfer Spiel. Dass die Zuschauer seine Auswechslung in der 78. Minute mit Applaus begleiteten, war kein Zufall. Slimani selbst sprach später davon, wie besonders dieser Moment für ihn gewesen sei. Genau solche jungen Spieler können einer Mannschaft Energie geben, die in den vergangenen Wochen teilweise erschreckend schwerfällig wirkte. Auch das sollte Alexander Ende aus diesem Abend mitnehmen.

Und trotzdem sollten wir jetzt nicht den Fehler machen, das Pendel nach einem einzigen 1:0 sofort in die andere Richtung ausschlagen zu lassen. Fortuna hat Stuttgart II verdient geschlagen, daran gibt es wenig zu diskutieren. Aber Düsseldorf hat keineswegs plötzlich alle Probleme gelöst. Die Chancenverwertung bleibt ausbaufähig, aus guten Pressingsituationen entsteht noch zu selten echte Torgefahr, und spielerisch fehlt weiterhin die Sicherheit, um einen Gegner über längere Phasen wirklich zu dominieren. Das Siegtor entstand letztlich aus einer unübersichtlichen Situation und nicht aus einer perfekt ausgespielten Kombination. Matchwinner Müller nannte die Partie selbst einen Abnutzungskampf und ein typisches Drittligaspiel. Das ist überhaupt nicht abwertend gemeint. Vielleicht musste Fortuna genau diesen Fußball erst einmal akzeptieren. In dieser Liga gewinnt man eben nicht jedes Spiel über Schönheit und individuelle Qualität. Manchmal muss man Zweikämpfe gewinnen, zweite Bälle holen, Fehler des Gegners erzwingen und anschließend ein 1:0 mit aller Konsequenz verteidigen.

Gerade deshalb sollte dieser Sieg auch die Diskussion der vergangenen Wochen nicht einfach beenden. Er verändert sie. Nach Hoffenheim musste man ernsthaft fragen, ob Trainer und Mannschaft einander überhaupt noch erreichen. Gegen Stuttgart gab es erstmals eine klare Antwort auf dem Platz: Die Mannschaft war bereit zu arbeiten, sie wirkte geschlossen und setzte erkennbar Dinge um, die Ende von ihr verlangte. Auch Louis Lord sprach nach dem Spiel offen davon, dass der Druck von außen sehr wohl angekommen sei und es innerhalb der Mannschaft intensive Gespräche gegeben habe. Das ist wichtig. Die Kritik ist also nicht an dieser Mannschaft abgeprallt. Sie hat offenbar etwas ausgelöst. Aber ein einziges Spiel beweist noch nicht, dass die Probleme dauerhaft gelöst sind. Der Unterschied zwischen einem Befreiungsschlag und einer echten Trendwende zeigt sich immer erst im nächsten Spiel.

Und genau deshalb wird der Auftritt bei Fortuna Köln am kommenden Sonntag so interessant. Dort kann Düsseldorf zeigen, ob Stuttgart tatsächlich der Anfang einer Entwicklung war oder lediglich ein Abend, an dem Kampf, Gegner und Spielverlauf zusammenpassten. Eine Mannschaft mit den Ambitionen und dem Kader dieser Fortuna darf sich langfristig nicht damit zufriedengeben, eine Zweitvertretung zuhause mit 1:0 niederzukämpfen. Aber sie musste irgendwo beginnen. Vielleicht bestand der größte Fehler der vergangenen Wochen darin, immer schon den nächsten spielerischen Schritt machen zu wollen, bevor die Grundlagen überhaupt funktionierten. Gegen Stuttgart standen diese Grundlagen erstmals: Kompaktheit, gegenseitige Unterstützung, Laufbereitschaft, Konzentration und die Bereitschaft, ein dreckiges Spiel anzunehmen.

Das 1:0 gegen Stuttgart II war deshalb noch keine Antwort auf alle Fragen.

Aber es war die erste Antwort überhaupt.

Und nach den vergangenen Wochen ist das schon eine ganze Menge.

Jetzt seid ihr dran: War das für euch tatsächlich der Beginn der Wende? Hat Alexander Ende mit der Entscheidung für Lord, dem Startelfeinsatz von Slimani und einer stabileren Grundordnung die richtigen Schlüsse gezogen? Oder war Stuttgart schlicht zu harmlos, um wirklich beurteilen zu können, wie weit Fortuna inzwischen ist? Und welche Spieler haben euch besonders überzeugt?

Schreibt uns eure Meinung in die Kommentare. Denn nach all der berechtigten Kritik der vergangenen Wochen gehört auch das dazu: Wenn sich etwas verbessert, muss man es genauso klar benennen.

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